Bläserfahrt 2013

In 64 Stunden durch ½-Europa

Trier- Herzogenbusch – Gloucester – Brüssel – Trier

Vom 04. bis 06.12.2013 fand die traditionelle Europatournee der Bläsergruppe der Integrierten Gesamtschule Trier dieses Mal bereits zum fünften Mal statt. Routiniert und ohne Sturmschäden meisterten die 30 Schülerinnen und Schüler mit ihren Begleitern dieses Musikalische Highlight mit Bravour.

Um 6:00 Uhr morgens stehen die Jungmusiker der IGS Instrument und Gepäck bei Fuß wartend auf den Bus am Montessoriweg. Die einen laufen schon wild über den Schulhof, während die anderen sich noch verschlafen an ihre Eltern kuscheln. Schlaf wird jedoch das sein, was die Musiker auf dieser Fahrt am wenigsten bekommen werden.

Ein Rufen des Bandleaders Marco Jakobs reicht aus, um die Kinder und Jugendlichen zum Einräumen ihrer Instrumente und der Verpflegung zu bewegen. Der Bus ist in 30 Minuten abfahrbereit, jeder hat seinen Platz in dem 50-Sitzer gefunden, es geht los nach Holland oder sagt man doch besser Niederlande?

In einer Seniorenresidenz in Herzogenbusch (Niederlande) findet der erste Gig statt. Als alte Bekannte werden die IGS-Musiker begrüßt, es ist bereits das fünfte Mal, dass hier vor den begeisterten alten Menschen aufgespielt wird. Die Mischung macht´s! Weihnachtliches und Rockiges präsentieren die Bläser. In diesem Jahr gibt es eine Premiere. Zum ersten Mal treffen eine niederländische und eine deutsche Bläsergruppe aufeinander. Die Musiker aus Herzogenbusch hatten dieses gemeinsame Konzert während ihres Aufenthaltes im Oktober an der IGS Trier bereits geplant.

Gestärkt mit Bratwurst und Pommes geht es gleich weiter nach Calais (Frankreich), keine Zeit verlieren, die früheste Fähre nach Dover erwischen, wer weiß, ob der angekündigte Sturm eine Überfahrt unmöglich macht. Für die meisten Kinder ist es die erste Fahrt mit einem solch großen Schiff, was einen da wohl erwartet. René Schu, kann hierüber nur schmunzeln, er ist als Zehntklässler bereits das fünfte Mal mit an Bord: „Sie hätten vor zwei Jahren mal dabei sein sollen, da war man ohne Plastiktüte aufgeschmissen.“

Von Dover (Großbritannien) sind es dann nur noch vier Stunden(!) bis Gloucester. Alle sehnen sich nach einem, vielleicht sogar nach ihrem Bett, die Unterkunft im Folkmuseum in zwei Gruppenräumen sieht jedoch das Übernachten auf Isomatten und in Schlafsäcken vor. Dafür wird aber in historischem Ambiente ein deutsch-englisches Abendessen eingenommen, es gibt Tea, Toast und Nutella.

Nach einer viel zu kurzen und von allerlei Geräuschen beeinträchtigten Nachtruhe starten die IGSler mit einem deutsch-englischen Frühstück. Es gibt Tea, Toast und Nutella. Die nächsten zwölf Stunden sind traditionell die stressigsten für die Musiker. Vier Auftritte auf vier verschiedenen Bühnen, einer sogar außerhalb Gloucesters. Für unsere 30 Bläser ist das jedoch kein Problem. Wie die Profis meistern sie jede Situation. Das Auf- und Abbauen, das Rein in den Bus und das Raus aus dem Bus klappen wie am Schnürchen. Der Besuch beim Bürgermeister wird zu einem herausragenden Erlebnis, bei dem die Kinder sich im Rathaus in traditioneller englischer Kleidung in einem Rollenspiel als wahre Ladies und Gentlemen fühlen können.

Die zweite Nacht wird wie üblich im Bus übernachtet. Unsere Busfahrer chauffieren ihre kostbare Fracht sicher bis Dover, machen sogar noch Zeit gut und parken in der ersten Reihe vor der Fährenauffahrt. Jetzt kann es gleich losgehen, vom Sturm ist nichts zu sehen. Oder hat das immer näher an den Bus kommende Wasser etwas damit zu tun? „Sojet, hann isch noch nie hier jesehn!“, kommentiert der Rheinländer der beiden Wagenführer das, was sich mittlerweile unter unserem Bus abspielt. „Na, Gott sei Dank sitze ma nit innem normalen Pekawee, sons häde ma de Fieß scho nass!“, erwidert der Trierer.

Im Gebäude vor uns flackert das Licht ein-, zwei- dreimal, dann ist es stockfinster in dem eben noch hell erleuchteten Kaufhaus. Wir nehmen es gelassen, dann halten wir eben hier und jetzt ein Nickerchen. Die meisten wachen auf, als der Bus die Rampe zur Fähre emporfährt. Dem Hochwasser entkommen und völlig schlaftrunken steigen wir die steilen Teppen nach oben aufs Deck, jeder sucht sich sein Plätzchen und hofft, dass der Seegang nicht stärker wird, schließlich schwankt man jetzt schon ganz schön beim Überqueren der Korridore. Plastiktüten brauchen wir keine!

In Brüssel erwarten uns neben den Lehrern, die uns zum wiederholten Male herzlich begrüßen, vor allem eine heiße Dusche und ein Frühstück. Nein, nicht deutsch-englisch, einfach nur gut, selbst ein kleiner Schokoladenweihnachtsmann steht für jeden bereit.

Jetzt kann der Höhepunkt der Bläsertournee kommen. Das Konzert vor 300 Schülerinnen und Schülern der Deutschen Schule. Auch diese Darbietung ist ein voller Erfolg, nicht nur der Beifall, sondern auch die interessierten Fragen im Anschluss zeigen dies.

An´s Nachhause kommen ist allerdings noch nicht zu denken. Die Wagenlenker müssen ihre Ruhepause einhalten – neun Stunden! Wir entschließen uns, unter der Führung eines Ortskundigen das afrikanische Museum mit Parkanlage Leopolds II. zu besichtigen. Und wenn ich von „wir“ spreche, dann meine ich natürlich die Lehrer. Die Musiker hätten durchaus auch „im Bus weiter chillen“ können. Nichtsdestotrotz ist die Stimmung der Gruppe ungebrochen gut und woher die Kinder und Erwachsenen immer noch die Kraft nehmen, diese Wanderung, die ja nur fünf Minuten dauern sollte, zu bewältigen, bleibt das Geheimnis eines jeden einzelnen.

Mit einer ordentlichen Portion Pommes im Bauch – wir sind ja in Belgien – schaffen wir es dann doch noch in den Bus, der uns nach insgesamt 64 Stunden um 22:00 Uhr wieder am Wolfsberg abliefert.

Das Aus- und Einräumen wird trotz aller Strapazen ohne Murren erledigt, bevor alle ihren Weg im Mamma- bzw. Papataxi nach Hause antreten. (SCHÖ)

Liebe Musikerinnen und Musiker, „Weiter so!“

 

 




Home  |  Impressum  |  Datenschutz  |  Anfahrt  |  IGS-Links  |  Druckansicht  |  Inhaltsverzeichnis  |  Kontakt-Formular
Powered by CMSimple   |   Designed By WIL-kom